Deutsche Welle / TransTel

 

 

Sendetitel:

 

 

Friede der Religionen auf dem Tempelberg

 

 

Folgentitel:

Eine Vision fr Frieden im Nahen Osten

Produktions-

 

/Folgennummer:

 

Herkunft:

Podiumsdiskussion Denkzeit"

 

vom BR alpha 2005

Lnge (Min/Sek):

57'

Cutter/in:

 

Redaktion:

 

Redakteur/in:

 

Vortext:

 

Im

 

1. Sprecher:

Kommentar

Ort der Aufzeichnung:

Schweifurth Stiftung, Sdliches Schlossrondell 1, Schloss Nymphenburg, Mnchen

 

 

Datum der Veranstaltung:

6. April 2005, 19 Uhr

Datum der Erstausstrahlung:

30. April 2005, 22:30

 


-2-

 

 

Serientitel

 

 

0:29

Gottfried Hutter

Guten Abend, sehr verehrte Damen und Herren hier im Saal, und auch an den Bildschirmen zu Hause.

 

0:38

 

Es wird heute um ein brennendes Thema gehen, wenn nicht sogar um den Kern des groen Kulturkonflikts, der die Welt seit dem 11. September 2001 in Atem hlt.

 

0:50

 

Wie kann Frieden werden in Israel und in Palstina?

 

-3-

 

 

0:56

Gottfried Hutter

Es ist mir dann eine groe Ehre, Ihnen als

 

 

die Gste des heutigen Abends

 

 

hochrangige Vertreter der drei

 

 

abrahamitischen Religionen in Deutschland

 

 

vorstellen zu drfen.

1:08

 

Es sind dies - von links nach rechts - der

 

 

ehemalige Landesrabbiner von Baden-

 

 

Wrttemberg, Dr. Joel Berger.

 

 

Er ist heute hier fr den Zentralrat der

1:17

 

Juden in Deutschland, und fr die Botschaft

 

 

des Staates Israel.

1:24

 

Als Vertreter der katholischen

 

 

Bischofskonferenz ist Weihbischof Dr.

 

 

Hans-Jochen Jaschke aus Hamburg

 

 

gekommen.

1:33

 

Die Religion des Islam vertritt heute Abend

 

 

Sheikh Hassan Dyck, der deutsche

 

 

Sprecher des ehrenwerten Nakschbandi

 

 

Sufi Ordens und dessen Oberhauptes

 

 

Gromeister Sheikh (Mohammed Nasim AI

 

 

Hakani?).

1:50

 

Dr. Stefan Wimmer von der Universitt

 

 

Mnchen wird das Gesprch leiten. Dr.

 

 

Wimmer ist gyptologe und einer der

 

 

aktivsten Sprecher der Freunde Abrahams,

 

 

die sich zum Ziel gesetzt haben, dass die

 

 

drei Religionen, die auf Abraham

 

 

zurckgehen, sich gegenseitig verstehen

 

 

lernen.

 

-4-

 

2:11

Gottfried Hutter

Nun zum Gegenstand des heutigen

 

 

Abends: Es geht um die Frage, wie die drei

 

 

abrahamitischen Religionen zum Frieden

 

 

im Nahen Osten beitragen knnen.

2:22

 

Whrend von politischen

 

 

Friedensbemhungen der verschiedensten

 

 

Art tglich in den Medien berichtet wird, ist

 

 

von Friedensbemhungen der Religionen

 

 

wenig die Rede.

2:34

 

Die Religion wird in der ffentlichkeit eher

 

 

als ein Problem betrachtet, weil viele

 

 

Extremisten und Terroristen sich gerade

 

 

auf ihre Religion berufen.

 

 

Aus diesem Grund ist das religise

2:46

 

Zentrum des Konflikts bisher aus allen

 

 

Friedensverhandlungen ausgeklammert

 

 

worden, nmlich der Tempelberg.

2:57

Gottfried Hutter

Der Tempelberg, oder - wie die Muslime

 

 

sagen - Haram al Sharif wird sowohl von

 

 

den Juden als auch von den Muslimen als

 

 

ihr heiliger Bezirk betrachtet. Deshalb

 

 

knnte es sein, dass wirklicher Friede im

 

 

Heiligen Land nicht erreicht werden kann,

 

 

bis mit friedlichen Mitteln geklrt, wem auf

 

 

diesem Platz welche Rechte zukommen.

3:23

 

Friede im Heiligen Land braucht deshalb

 

 

zuerst Frieden zwischen den drei

 

 

Religionen, die heute hier, bei diesem

 

 

Gesprch, vertreten sind.

 

 

Und dieser Friede muss die zentrale

3:33

 

Streitfrage in den Konflikt ganz konkret

 

 

einbeziehen, nmlich die widersprchlichen

 

 

Ansprche auf den Tempelberg.

 

-5-

 

3:45

Gottfried Hutter

Das Lsungsbild, um das es in dem

 

 

heutigen Gesprch gehen wird, stammt aus

 

 

dieser Art Blick auf den Tempelberg. Alle

 

 

mssen gewinnen.

3:56

Gottfried Hutter

Mitten auf dem Tempelberg steht seit 1300

 

 

Jahren das drittgrte Heiligtum des Islam,

 

 

der Felsendom.

 

 

Aber jetzt mchte eine mchtige Gruppe

4:05

 

von Juden an diesem Platz, an dem in der

 

 

Antike ihr Tempel gestanden hat, einen

 

 

neuen Tempel aufbauen, und dazu den

 

 

Felsendom abreien. Eine uerst

 

 

explosive Kombination.

 

 

Dabei drfen die meisten religisen Juden

4:22

 

den Tempelberg gar nicht betreten, weil sie

 

 

dabei die Stelle entweihen knnten, auf der

 

 

das Allerheiligste des frheren Tempels

 

 

gestanden hat.

4:34

 

Wie knnen unter diesen Umstnden alle

 

 

gewinnen?

4:39

Gottfried Hutter

Und damit mchte ich das Wort an den

 

 

Diskussionsleiter bergeben und ich hoffe,

 

 

wir werden auch in diesem Gesprch

 

 

erleben, wie alle gewinnen knnen.

4:59

Moderator

Sheikh Hassan Dyck, Sie haben mehrere

 

 

Jahre in Damaskus studiert und in anderen

 

 

arabischen Lndern gelebt; haben danach

 

 

in Kln selbst ein Sufi-Zentrum gegrndet.

 

 

Sie treten, glaube ich, auch als Musiker, als

 

 

Sufi auf. Sheikh Hassan: Salem Aleikum.

 

-6-

 

5:20

Moderator

Herr Hutter beendete seine

 

 

 

Einfhrungsworte mit der Hoffnung, dass

 

 

 

alle gewinnen knnen. Was knnen die

 

 

 

Muslime gewhnlich gewinnen durch diese

 

 

 

Lsung?

 

5:33

 

Die Muslime haben - wenn Sie so wollen -

 

 

 

seit ber 1300 Jahren den frheren

 

 

 

Tempelberg, den Haram al Sharif, die AI

 

 

 

Aksa Moschee, zu dessen Komplex der

 

 

 

Felsendom mit dazu gehrt.

 

5:49

 

Warum sollte man an dieser Situation

 

 

 

etwas ndern aus muslimischer Sicht? Was

 

 

 

knnten Muslime noch gewinnen?

 

-7-

 

 

5:58

Sheikh Hassan

Der Gewinn liegt In den berlegungen: Es

 

 

Peter Dyck

gab einen groen Heiligen in der

 

 

 

islamischen Tradition, der heit Jalaluddin

 

 

 

Rumi.

 

 

 

Das ist ein groer Heiliger, der auch ein

 

6:15

 

Alim natrlich war, ein Gelehrter, der also

 

 

 

wirklich endlos viele Schler hatte an der

 

 

 

damaligen Universitt.

 

 

 

Das hat man damals nicht so genannt, aber

 

6:31

 

es war eine Universitt in Konia. Er hatte

 

 

 

dann mystische Erlebnisse und fand einen

 

 

 

mystischen Meister, Shams-i Tabriz.

 

6:45

 

Mir fllt von einem seiner tausenden von

 

 

 

Gedichten eines ein, und zwar sagte er:

 

 

 

Auf meiner Suche nach Gott habe ich im

 

6:57

 

Tempel geschaut und habe ihn nicht

 

 

 

gefunden. Ich war in der Kirche, und habe

 

 

 

Gott dort nicht gefunden.

 

7:04

 

Ich war in der Moschee und habe Gott dort

 

 

 

nicht gefunden. Ich war in der Synagoge

 

 

 

und habe Gott dort nicht gefunden. Wo

 

 

 

habe ich ihn gefunden zum Schluss?" Er

 

 

 

deutet auf sein Herz und sagt: In meinem

 

 

 

Herzen habe ich Gott gefunden."

 

- 8 -

 

 

7:26

Sheikh Hassan

Das ist ein wichtiger Punkt fr alle

 

Peter Dyck

Religionen, dass jeder - es geht ja um

 

 

Frieden, und es ist ein Lsungsvorschlag

 

 

fr den Frieden.

 

 

Wir sind der Ansicht, dass ein Frieden

7:43

 

natrlich vom Einzelnen erst mal ausgehen

 

 

muss; dass es praktisch nicht mglich ist,

 

 

wenn ein Menschen in sich keinen Frieden

 

 

gefunden hat, diesen Frieden auch nicht

 

 

vermitteln kann.

7:59

 

Da kann man viele uerliche Rahmen

 

 

schaffen und Bedingungen demonstrieren

 

 

wie die berhmten

 

 

Friedensdemonstrationen, wo dann

 

 

anschlieend Steine geworfen werden und

 

 

Schaufenster kaputt gehen.

8:12

 

Der Frieden muss individuell anfangen. Das

 

 

ist der Ansatz, und das ist das Gute dabei.

 

 

Wenn wir die drei Religionen, um die es ja

 

 

heute hier geht, in ihrem Ursprung

 

 

betrachten, dann sehen wir natrlich, dass

 

 

die Propheten nichts anderes gebracht

 

 

haben als Frieden.

 

 

Sie selbst waren natrlich wirklich in

8:31

 

Perfektion (mit sich) in Frieden, weil sie

 

 

nmlich in sich drin nichts anderes hatten

 

 

als die Liebe zu Gott.

 

 

Sie wollten nichts von dieser Welt. Worber

8:41

 

htten sie sich streiten wollen und worum?

 

 

 

-9-

 

8:46

Sheikh Hassan

Ich sage oft zu dieser hektischen und etwas

 

Peter Dyck

pessimistischen Zeit und dieser sozusagen

 

 

islamophobischen Zeit:

 

 

Wir wollen gar nichts. Wir wollen eigentlich

9:04

 

nichts von der Welt. Das ist nicht unser

 

 

Weg. Wir versuchen, dem Propheten zu

 

 

folgen. Den Propheten hat man die ganze

 

 

Welt angeboten: Dem Propheten

 

 

Mohammed - Friede sei mit ihm -, dem

 

 

Propheten Jesus.

9:18

 

Allen Propheten kam die Verfhrung, die

 

 

ganze Welt anzubieten, und sie haben es

 

 

ausgeschlagen. Sie wollten es nicht. Sie

 

 

wollten die Liebe. Sie haben den Tropfen

 

 

des Paradieses und der Schnheit Gottes

 

 

geschmeckt in ihrem Herzen, und da war

 

 

nichts anderes als diese Liebe: Und diese

 

 

Liebe haben sie gegeben.

 

 

Der Prophet Jesus hat gesagt: Ich kann

9:37

 

gar nichts anderes geben als das, was ich

 

 

in meinen Taschen habe, nmlich nur das."

 

 

Das ist der Ansatz

9:43

Moderator

Darauf wrde ich gerne in einer weiteren

 

 

Runde noch mal zurckkommen. Herr

 

 

Rabbiner Dr. Joel Berger: Sie waren - Herr

 

 

Hutter sagte es schon - lange Jahre, ich

 

 

glaube fast 20 Jahre Landesrabbiner in

 

 

Wrttemberg. Sie sind auch Mitglied des

 

 

SWR Rundfunkrates

10:00

Dr. h. c. Joel

 

 

Berger

gewesen

10:02

Moderator

Rabbi Berger: Shalom

 

 

 

- 10 -

10:04

Dr. h. c. Joel

Shalom Uvraha!

 

Berger

 

11:10

Dr. h. c. Joel

Diese Idee vom Tempelberg ist eine

 

Berger

spirituelle, messianische Idee. Das heit,

 

 

dass dies ein Teil der messianischen

 

 

Erwartungen der zuknftigen Erlsung ist.

 

 

Und so mge man sich bis zum Kommen

 

 

des Propheten Elias - das ist auch einer

 

 

unserer Propheten - halt gedulden. Dann

 

 

wird entschieden, wie die Lage am

 

 

Tempelberg aussehen wird.

11:43

 

Das heit: Keinerlei aggressive

 

 

Vorstellungen und Erwartungen, wie auch

 

 

seit 1967 berhaupt im Tempelberg keine

 

 

spektakulren Aktionen oder Angriffe.

 

 

Einzelne isolierte Angelegenheiten fanden

11:57

 

dort statt. Aber nicht durch eine Regierung.

 

 

Und wie Herr Hutter richtig gesagt hat: Sie

 

 

lesen dort eine Tafel vor dem Aufgang zum

 

 

Tempelberg, dass es einem

 

 

traditionsgebundenen Juden untersagt wird,

 

 

den Tempelberg zu betreten, weil man

 

 

nicht genau wei, wo dort das Allerheiligste

 

 

stand.

 

 

Sogar die Flugzeuge der staatlichen

12:26

 

Luftfahrtgesellschaft drfen den

 

 

Tempelberg aus dem gleichen Grund nicht

 

 

berfliegen, und auch aus Rcksicht auf

 

 

den Islam.

12:38

 

Ich glaube, das ist schon eine tolerante

 

 

Einstellung zum Tempelberg.

 

-11

 

12:44

Moderator

Drfen wir uns also bis hierher schon mal

 

 

so weit verstndigen, dass es bei den

 

 

beiden Bezeichnungen wohl bleiben soll

 

 

und darf? Also: Haram al Sharif oder AI

 

 

Aksa Moschee auf einen Seite, und Har ha-

 

 

Bayit und Tempelberg auf der anderen

 

 

Seite. Beide Bezeichnungen sind aus der

 

 

jeweiligen Perspektive berechtigt und

 

 

bleiben es.

13:06

Moderator

Herr Weihbischof Dr. Jaschke: Sie sind im

 

 

Erzbistum Hamburg fr Fragen der

 

 

kumene als Bischofsvikar zustndig; sind

 

 

in der Deutschen Bischofskonferenz

 

 

Vorsitzender der Unterkommission fr den

 

 

inter-religisen Dialog, und auch fr den

 

 

Bereich Kirche, Kultur und Medien mit

 

 

zustndig. Herr Bischof: Gr Gott.

13:32

Dr. Hans-Jochen

Gr Gott.

 

Jaschke

 

13:35

Moderator

Wir wissen alle, dass Jerusalem auch fr

 

 

Christen eine heilige Stadt ist, wenn nicht

 

 

DIE Heilige Stadt, und aus katholischer

 

 

Sicht darf man auch Rom eine gewisse

 

 

Position zubilligen. Dennoch: Jerusalem

 

 

drfte unangefochten bleiben in Punkto

 

 

Heiligkeit aus christlicher Perspektive. Das

 

 

muss nicht ausfhrlich begrndet werden.

 

 

Der Ort des Geschehens, des Leidens und

13:59

 

Sterbens, und nach christlicher Auffassung

 

 

auch der Auferstehung Jesu Christi, macht

 

 

daraus eine auf ewig heilige Stadt auch fr

 

 

das Christentum.

 

 

Wie aber sieht es mit dem Tempelberg

14:12

 

aus? Geht der Tempelberg die Christen

 

 

irgend etwas an?

 

-12 -

 

14:22

Dr. Hans-Jochen

Als Symbol sicherlich. Aber Christen sind

 

 

Jaschke

vom Grundansatz her sehr liberal. Jesus

 

 

 

Christus hat im Johannes-Evangelium

 

 

 

einmal gesagt: Es kommt die Stunde, da

 

 

 

betet man nicht in Jerusalem, sondern im

 

 

 

Geist und in der Wahrheit."

 

14:36

 

Es gibt ein Bild - vom Neuen Testament

 

 

 

aus gesehen -, das sagt: Christus ist der

 

 

 

neue Tempel. Und berall, wo an ihn

 

 

 

geglaubt wird, wo ihm Ehre gemacht wird

 

 

 

unter den Menschen, dort ist der Tempel.

 

14:51

 

Natrlich hat der Tempelberg - auch der

 

 

 

alte Tempel - eine wichtige symbolische

 

 

 

Bedeutung. Aber fr Christen gibt es

 

 

 

deswegen auch nicht DIE heiligen Orte:

 

 

 

weder Rom, noch Jerusalem in einem

 

 

 

wirklich letztlich verbindlichen Sinn. Das

 

 

 

sind ganz wichtige Orte, aber ein Geist der

 

 

 

Freiheit weht durch das Christentum.

 

 

-13-

 

15:14

Dr. Hans-Jochen

Von der Vision vom Tempel, Herr Hutter:

 

Jaschke

Was Sie uns sagen und schreiben, das ist

 

 

natrlich sehr sympathisch. Da denkt ein

 

 

Christenmensch und ein Jude an den

 

 

Propheten Jesaja, das zweite Kapitel:

15:26

 

Die Vlker werden zum Berg Zion wallen,

 

 

und der Herr spricht Recht fr alle Vlker.

 

 

Fr alle Vlker Gerechtigkeit. Dann

 

 

schmieden sie die Schwerter um in

 

 

Pflugscharen und die Lanzen in

 

 

Winzermesser."

1543

 

Zion, ein Friedens-Ort, erinnert an den Gott

 

 

aller Menschen, der die Menschen zum

 

 

Frieden bringen will.

15:53

 

Aber wir wissen: Die Christenheit und

 

 

verschiedene Religionen untereinander

 

 

sind weit entfernt vom Frieden, oder waren

 

 

lange Zeit weit entfernt und bewegen sich

 

 

immer wieder nur in Anstzen auf dieses

 

 

Ziel hin.

16:10

Dr. Hans-Jochen

Katholische Christen haben seit dem

 

Jaschke

zweiten Vatikanum daran erinnert, dass die

 

 

Grundhaltung des Dialoges sie bestimmen

 

 

muss.

16:19

 

Dialog heit, dass ich mich einlasse auf

 

 

das Gesprch mit anderen. Ohne dass ich

 

 

meinen eigenen Anspruch aufgebe, bin ich

 

 

aber bereit, andere ganz ernst zu nehmen

 

 

und auch von ihnen zu lernen.

 

-14-

 

16:34

Moderator

Herr Hutter: Sie haben, gerade um das

 

 

virtuelle Projekt gewissermaen zu

 

 

visualisieren, um die christliche Achse in

 

 

Ihrem Projekt auch sichtbar zu machen, ein

 

 

Schema vorbereitet, das dem Publikum im

 

 

Saal ausgeteilt wurde. Mchten Sie zu dem

 

 

Schema einige erluternden Worte sagen?

17:00

Gottfried Hutter

Also, diese waagerechte Linie, die Sie da

 

 

unten sehen, die soll den Tempelberg

 

 

symbolisieren. In der Mitte dieser Kreis ist

 

 

das Heiligtum des Islam dort, das

 

 

Hauptheiligtum, der Felsendom. Der

 

 

Felsendom ist der jdischen Legende nach

 

 

der Ort, an dem Abraham seinen Sohn

 

 

Isaak opfern sollte. Es ist dann nicht dazu

 

 

gekommen, aber an diesem Ort hat er

 

 

seine Bereitschaft dazu demonstriert und

 

 

dadurch den Test, der ihm gestellt worden

 

 

ist, bestanden.

17:46

 

Dieser Abraham wird vom Propheten

 

 

Mohammed als DAS Musterbeispiel fr die

 

 

Geisteshaltung des Islam dargestellt. Durch

 

 

diese Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern,

 

 

wird Abraham zum Beispiel fr alle

 

 

Muslime. Also, diese Geisteshaltung ist die

 

 

Grundhaltung des Islam.

 

- 15 -

 

18:19

Gottfried Hutter

Wenn man dann weiterschaut: Es war die

 

 

Grundhaltung des Judentums, es ist die

 

 

Grundhaltung des Islam, und wenn man

 

 

auch das Christentum schaut: Diese

 

 

Bereitschaft, sich selber herzugeben, sich

 

 

selber zu opfern, ist genau die gleiche

 

 

Bereitschaft von Jesus.

 

 

Deshalb ist fr mich dieser Ort nicht nur ein

18:42

 

Symbol fr Juden und fr Muslime, sondern

 

 

in dieser Geisteshaltung exemplarisch bis

 

 

ins uerste demonstriert, auch die

 

 

Geisteshaltung von Jesus.

 

 

Dadurch entsteht eine Achse. Ich habe

19:03

 

Ihnen ja vorhin gesagt: Die einzige

 

 

Mglichkeit, die ich sehen kann, wie Juden

 

 

zu ihrem Tempel kommen knnen -

 

 

diejenigen, die es mchten - ist, ihn

 

 

darber zu errichten.

19:19

 

Ich habe mir gedacht: Was man machen

 

 

msste auf dieser Plattform, die darber

 

 

errichtet werden knnte, ist, den Felsendom

 

 

zu spiegeln architektonisch, so dass man

 

 

ihn auch gleichzeitig von oben sieht, um

 

 

nmlich an diesem Ort die Himmelfahrt des

 

 

Propheten Mohammed anzudeuten, weil

 

 

nmlich

 

 

- obwohl die Muslime eigentlich der

19:43

 

Auffassung sind, dass dieses Opfer von

 

 

Abraham anderswo stattgefunden hat -

19:50

 

dies der Ort der Himmelfahrt des Propheten

 

 

Mohammed war. Dadurch entsteht in der

 

 

Mitte eine Achse.

 

-16-

 

20:00

Gottfried Hutter

Wenn wir berlegen, wie Jesus sich selbst

 

 

bezeichnet hat, dann finden wir immer

 

 

wieder als seine Selbstbezeichnung

 

 

Menschensohn".

20:11

 

Wenn Sie sich in der Geschichte die Rolle

 

 

des Christentums anschauen, dann sticht

 

 

die christliche Rolle besonders dadurch

 

 

hervor, dass die Christen Akte der

 

 

Nchstenliebe in den Vordergrund gestellt

 

 

haben; deshalb Hospitler und ein

 

 

Sozialsystem aufgebaut haben, und zwar in

 

 

einer Weise, wie sie in keiner anderen

 

 

Religion zu finden ist.

 

 

Also, diese Achse der Menschlichkeit ist

20:37

 

etwas, was die Christen als ihre Rolle

 

 

bernommen haben.

20:45

Gottfried Hutter

Die Juden wiederum ragen als Das Volk

 

 

Gottes" natrlich heraus. Auch wenn man in

 

 

der Geschichte schaut, ragen die Juden

 

 

heraus durch ganz besondere Leistungen.

20:37

 

Also ich glaube, man knnte jeder Liste

 

 

hervorragender Leistungen durchschauen,

 

 

und man wird feststellen, dass die Juden da

 

 

eine sehr gute Position einnehmen, egal ob

 

 

Nobelpreistrger, Knstler, Musiker oder

 

 

so.

21:17

 

Dieses Volk Gottes hat durch diese Rolle,

 

 

ein Volk Gottes zu sein, automatisch schon

 

 

eine herausragende Rolle, was nicht

 

 

bedeutet, dass die besser sind. Es ist nur

 

 

eine andere Rolle.

 

-17-

 

21:32

Gottfried Hutter

Genauso hat der Islam - weil das die

 

 

 

Geisteshaltung des Islam war und auch die

 

 

 

Geisteshaltung Jesu und auch die

 

 

 

Geisteshaltung des Mohammed - die Rolle,

 

 

 

die Basis zu sein; die Grundlage.

 

21:48

 

Der Islam ist genau das, worauf alle drei

 

 

 

Religionen aufbauen. Wenn man Islam als

 

 

 

Geisteshaltung bezeichnet, dann muss

 

 

 

man sehen, dass nicht nur der Islam diese

 

 

 

Geisteshaltung hat, sondern auch das

 

 

 

Judentum und auch das Christentum.

 

22:09

Gottfried Hutter

Somit ist in dieser Struktur, die Sie hier

 

 

 

sehen, das Verhltnis der drei Religionen

 

 

 

zueinander bezeichnet. Also Anfangs

 

 

 

haben viele gesagt: Das mit dieser

 

 

 

Architektur, das ist ja verrckt", und: So

 

 

 

was kann man ja nicht machen." Mir war

 

 

 

klar: Es geht mir letzten Endes gar nicht um

 

 

 

die Architektur, obwohl die vielleicht

 

 

 

dazukommen kann. Das wre ein schnes

 

 

 

Ergebnis. Aber es letzten Endes einfach

 

 

 

um eine Darstellung des Verhltnisses

 

 

 

dieser drei Religionen zueinander, also um

 

 

 

ein virtuelles Bild.

 

22:50

Moderator

Rabbiner Dr. Berger: Sie hatten sich einige

 

 

 

Punkte gemerkt, um einzuhaken.

 

- 18 -

 

 

22:55

Dr. Joel Berger

Herr Dr. Hutter, bei aller Liebe und

 

 

Bewunderung fr Ihr schnes und

 

 

ergreifendes Projekt:

 

 

Die Bemerkung, die Nchstenliebe wre

23:06

 

etwas zutiefst nur Christliches, kann ich

 

 

nicht ohne Weiteres stehen lassen. Es

 

 

muss Ihnen doch bekannt sein, dass diese

 

 

Nchstenliebe erstmals im Dritten Buch

 

 

Mose, Kapitel 19, formuliert ist.

23:24

 

Das Copyright liegt bei uns. Sie sind nur

 

 

Leasingnehmer im Laufe der Geschichte.

23:32

 

Selbst Jesus, wenn er sich darauf berufen

 

 

hat, wie Sie bitte in Ihrem Neuen

 

 

Testament nachlesen wrden, sagt: Es ist

 

 

gesagt worden." Und am Rande zitiert man

 

 

ihn in dem Dritten Buch Mose. Also bitte:

 

 

Das ist unser Copyright.

23:53

 

Sie knnen auch nicht sagen, dass die

 

 

Juden davon nichts halten. Nicht nur wir,

 

 

auch die wesentlichen Tugenden des

 

 

Islams, angefangen bei der

 

 

Gastfreundschaft und fortgesetzt mit den

 

 

tglichen Gebeten, sind unsere

 

 

gemeinsamen Gter.

 

 

Aber, wie gesagt: Ich mchte doch darauf

24:12

 

Wert legen, dass das Copyright bei uns

 

 

liegt.

 

-19-

 

24:18

Dr. Joel Berger

Auch sagten Sie - und das hat mich sehr

 

 

erleichtert fr unseres zuknftiges

 

 

gemeinsames Projekt -, dass der

 

 

Tempelberg fr Christen ein symbolischer

 

 

Ort ist, jedoch nicht symbolisch ist wie

 

 

Feste, wie auch die Einrichtung der

 

 

Kirchen. Denken Sie an den Altar.

 

 

Der ist von unserem Tempel Jerusalem.

24:41

 

Der ganze Aufbau, die Sakramente sind

 

 

aus unserem Tempel. Sogar die Tiara des

 

 

Papstes und die Bekleidung der Priester

 

 

sind in den Mosaischen Bchern, in der

 

 

Tora, niedergeschrieben worden. Also auch

 

 

das ist unser Copyright.

25:01

 

Sie sollen uns nicht aus der Mittelachse

 

 

ganz verbannen.

25:05

Dr. Joel Berger

Dann sollte man das ruhig sagen: Ich bin

 

 

sehr dafr, was Sie gesagt haben mit

 

 

Jesus; die Erlsung, das Erlstsein.

 

 

Aber wir Juden - und das mchte ich auch

25:18

 

schon einmal zum Ausdruck bringen -

 

 

warten, harren noch auf die Erlsung, und

 

 

das muss unser gemeinsames Werk sein.

25:31

 

Fr Sie ist das eine Parusie, die

 

 

Wiederkunft. Aber fr uns ist das die

 

 

Erlsung, und zwar der ganzen Welt.

 

-20-

 

25:39

Dr. Joel Berger

Wenn Sie, meine Damen und Herren, wissen wollen, warum diese Welt nicht erlst ist, schauen Sie heute Abend oder beim BR oder bei anderen Anstalten - ich werbe schon fr Sie - einmal eine viertel Stunde die Nachrichten an. Dann werden Sie wissen, warum wir nicht erlst sind.

25:58

 

All das, was in den Nachrichten geboten wird, enthlt Mord, Elend, Totschlag, Not, Hunger. Dann wissen Sie, dass wir alle nicht erlst sind.

26:11

 

Da haben wir Juden noch ein Anrecht, dieser Erlsung zu harren und zu warten.

26:18

Dr. Joel Berger

Multinationale Gebete? Ich wei nicht, ob das so eine absolute Lsung ist. Verzeihen Sie, dass ich Ihnen das sage: Wir sind nicht einmal im Stande, gemeinsam das Abendmahl zu nehmen.

26:30

 

Was wollen Sie mit uns in religisen Gebeten?

26:37

 

Also auch, wenn wir uns zum Dessert treffen, ist das wichtig. Das Vertrauen ist wesentlicher, dass wir einander entgegenbringen mssen, das uns durch die Bibel und unsere Traditionen unzhlige Male verbindet.

26:57

 

Nur das kann Ihr Werk, Ihr khnes Werk, zur Erfllung bringen. Das ist meine bescheidene Meinung.

27:06

Moderator

Herr Bischof Jaschke, Sie haben das Wort.

27:09

Dr. Hans-Jochen Jaschke

Ja, Sie haben mir viele Vorlagen gegeben.

 

-21

 

27:11

Dr. Hans-Jochen

Ein paar Dinge: also, Christen werden sich

 

Jaschke

natrlich nicht mit der Achse der

 

 

Menschlichkeit zufrieden geben. Wir lassen

 

 

uns auch nicht auf Mitmenschlichkeit

 

 

reduzieren.

27:22

 

Christus verbindet Himmel und Erde, und

 

 

Christus stellt die Einheit von Gott und

 

 

Mensch dar, die EINHEIT von Gott und

 

 

Mensch, aber er lsst sich nicht reduzieren

 

 

auf Wohlttigkeit, und wir werden natrlich

 

 

nicht den Juden die Wohlttigkeit

 

 

absprechen und auch nicht den Muslimen.

27:38

 

Wir werden es nicht!

 

 

Wir lassen uns auch nicht reduzieren auf

 

 

Geisteshaltungen, denn ich denke schon,

 

 

es geht um die Gestalt des Glaubens, und

 

 

zur Gestalt des Glaubens gehrt Jesus

 

 

Christus fr Christen ganz entscheidend

 

 

dazu.

27:53

Dr. Hans-Jochen

Mit der Erlsung werden wir uns

 

Jaschke

wahrscheinlich recht nahe kommen, wenn

 

 

wir lnger reden: Christen harren auf das

 

 

Sichtbarwerden der Erlsung. Natrlich

 

 

sehen wir das Kreuz und die Kreuze, die

 

 

Gekreuzigten und die Zerriebenen, die

 

 

gescheiterten Menschen. Aber wir sind der

 

 

Hoffnung, dass die Erlsung schon wirksam

 

 

wird. Sie muss nur noch sichtbar werden.

 

 

Und da kommen wir dem Jdischen dann

 

 

auch ein gutes Stck weit nher.

28:22

Dr. Hans-Jochen

Multireligis? Da haben Sie einen guten

 

Jaschke

Witz gelandet, aber mich eben doch

 

 

missverstanden. Ich hatte es aber auch

 

 

nicht gengend erklrt.

 

 

Multireligis heit, dass wir - jeder in seiner

 

 

religisen Tradition - beten. Multi, nicht

 

 

zusammen, nicht gemeinsam.

 

-22-

 

28:36

Dr. Joel Berger

In Ordnung.

28:37

Dr. Hans-Jochen

Ich respektiere den Juden, der jdisch

 

Jaschke

betet, den Moslem, der muslimisch betet,

 

 

und ich als Christ christlich. Aber wir beten

 

 

nicht gemeinsam ein durcheinander

 

 

gemischtes Gebet.

28:51

Dr. Joel Berger

Wunderbar.

28:52

Dr. Hans-Jochen

Multi heit: Jeder in seiner Tradition, und

 

Jaschke

wir respektieren einander in der

 

 

Unterschiedlichkeit. Die Christenfamilie

 

 

kann gemeinsame Gebete sprechen, doch

 

 

nicht gemeinsames Abendmahl halten. Da

 

 

haben Sie sehr wohl Recht.

29:06

Dr. Hans-Jochen

Mit Juden kann man eigentlich auch schon

 

Jaschke

ziemlich viel gemeinsam machen. Aber

 

 

angesichts der ganzen Belastungen, die wir

 

 

haben, muss man da sehr vorsichtig sein.

29:13

 

Gerade die Christen mssen sehr

 

 

zurckhaltend sein und drfen Juden nicht

 

 

unter Druck setzen, weil sie zur Zeit so viel

 

 

andere Sorgen und Probleme - gerade in

 

 

Deutschland - haben.

29:25

Moderator

Es wird Zeit, dass wir das Projekt selbst

 

 

uns versuchen, mehr zu vergegenwrtigen:

 

 

Da wre der Haram al Sharif mit seinen

 

 

Moscheen, wie er war und wie er bleibt,

 

 

unangetastet. In groer Hhe darber wre

 

 

eine neue Plattform durch Sttzen oder

 

 

andere Vorrichtungen. Auf dieser Plattform

 

 

wre ein neuer jdischer Tempel.

 

 

Aus muslimischer Perspektive: Geht das?

29:54

 

Darf ber der Moschee ein jdischer

 

 

Tempel schweben, gewissermaen?

 

- 23 -

 

30:05

Sheikh Hassan

Da sollte man mal einen Gelehrten in AI

 

 

Peter Dyck

Ashar fragen, ob das mglich ist, oder wie

 

 

 

hoch der schweben muss, damit das noch

 

 

 

erlaubt ist.

 

30:15

 

Das sind natrlich Vorstellungen ... Warum

 

 

 

soll das nicht erlaubt sein, wenn das in der

 

 

 

Luft ist. Besser wre, wenn wir fliegen

 

 

 

knnten. Das wre noch besser, auf einem

 

 

 

fliegenden Teppich von oben gucken zu

 

 

 

knnen.

 

30:28

 

Das wrde mich freuen, wenn wir das zum

 

 

 

Beispiel entwickeln knnten, denn die

 

 

 

Gemeinsamkeiten sind ja da.

 

 

-24-

 

30:34

Sheikh Hassan

Wir haben jetzt mehrere Male diese Sache

 

Peter Dyck

angesprochen. Im Heiligen Koran ist es ja

 

 

ganz klar gesagt: Die Muslime verpflichten

 

 

sich, wenn sie an den Koran glauben, alle

 

 

Propheten anzuerkennen; alle Propheten,

30:53

 

die je gelebt haben -

 

 

(zitiert arabisch).

31 04

 

Das heit: Wir machen wahrlich keinen

 

 

Unterschied zwischen den Propheten." Sie

 

 

sagten: Wir hren, wir folgen, und zu Dir,

 

 

Allah, ist die Reise. Zu dir kehren wir

 

 

zurck."

31:25

 

Das ist ja der Punkt. Das muss ja jeder

 

 

Mensch wissen und fr sich entdecken, und

 

 

dazu ist er erschaffen. Und die Religionen

 

 

sind immer geschaffen von Gott.

31:37

 

Deswegen wrde ich sagen: Copyright gibt

 

 

es auf viele Dinge, aber darauf nicht. Da

 

 

hat nmlich ER Copyright, und er ist der

 

 

einzige.

31:45

 

Er ist nmlich der Urheber. Copyright gibt

 

 

es auf Urheberschaft, und der Urheber von

 

 

allen Heiligen Schriften ist ER. Er hat sie

 

 

gesandt. Er hat sie gesandt durch den

 

 

Erzengel Gabriel, der zu Moses gekommen

 

 

ist - Friede sei mit ihm -, der zu Isa - lei

 

 

Salam, Friede sei mit ihm - gekommen ist,

 

 

der zu Mohammed - Friede sei mit ihm -

 

 

gekommen ist.

 

 

Deswegen mssen wir einfach unseren

32:07

 

Glauben darin strken und die

 

 

Gemeinsamkeit sehen.

 

-25-

 

32:17

Sheikh Hassan Peter Dyck

Ich denke, wir machen kleine Anstze. Der Herr Dr. Jaschke hat das gesagt, und ich habe es mehrere Male erlebt. Bei uns in der Eiffel, wo wir wohnen, haben wir schon in sechs Kirchen auch gemeinsame Gottesdienste gemacht, so wie Sie gerade gesagt haben: Multi, jeder 20 Minuten.

32:30

Dr. Hans-Jochen Jaschke

Multi, genau.

32:34

Sheikh Hassan Peter Dyck

Ja, die katholischen, die protestantischen und die muslimischen Glubigen. Das war sehr schn. Das ging sehr tief und man wollte sich gar nicht trennen. Es war eine sehr schne Stimmung.

32:44

 

Das sind kleine Schritte, die wir machen knnen, wo wir wirklich sagen: Wir mssen uns achten.

32:49

 

ber gewisse Unterschiede knnen wir natrlich nicht hinwegsehen. Auch der Prophet Mohammed, der war nicht nur vor Ibrahim, der war schon vor Adam erschaffen, also noch frher. Das muss ich jetzt anmelden.

32:58

Dr. Hans-Jochen Jaschke

Aber nicht vor Jesus.

33:02

Sheikh Hassan Peter Dyck

Doch, doch. Vor allen! Vor allen ... mhm. Verstehen Sie -

33:04

Dr. Hans- Jochen Jaschke

Okay

33:05

Moderator

Ein schnes Beispiel fr solche Unterschiede, die da sind und die wir nebeneinander stehen lassen.

33:11

Sheikh Hassan Peter Dyck

Genau. Die mssen wir stehen lassen, und das ist so, wie Herr Rabbi Berger eben sagt: Auch wir warten auf die Erlsung.

 

-26-

 

33:19

Moderator

Um aber nun nach Jerusalem

 

 

zurckzukommen, und ber die spirituelle

 

 

Dimension dieses Projektvorschlags hinaus

 

 

auch die Reale nicht ganz auszublenden:

33:31

 

Immer noch ist die Problematik in

 

 

Jerusalem da, dass der Ort enorm explosiv

 

 

ist, wie immer wir ihn nennen wollen; dass

 

 

es eben schon wiederholt zu Blutvergieen

 

 

kam an diesem Ort, und dass es durch

 

 

Entwicklungen der Neuzeit zu einer

 

 

Einstellung vor allen Dingen

 

 

muslimischerseits vor Ort in Palstina

 

 

gekommen ist.

33:54

 

Das ist meines Wissens auch derzeit die

 

 

offizielle Einstellung, die offizielle Position

 

 

des islamische (WAKF?), also der

 

 

islamischen Aufsichtsbehrde fr den

 

 

Haram al Sharif, dass es an dieser Stelle

 

 

nie einen jdischen Tempel gegeben habe.

34:10

 

Wie also sollte jetzt pltzlich einer hoch

 

 

ber der Moschee gebaut werden? Wie

 

 

knnen wir von solchen Positionen aus

 

 

weiterkommen? Wie knnen wir eine

 

 

gemeinsame Vision aufbauen, wenn die

 

 

Position vor Ort ist: Juden haben mit dieser

 

 

Stelle nichts zu tun, und hatten nichts zu

 

 

tun."

34:32

Moderator

Sie sprachen vorhin von der Regelung,

 

 

dass streng glubige Juden den

 

 

Tempelberg eigentlich gar nicht betreten

 

 

drfen.

34:39

Dr. Joel Berger

Richtig.

34:40

Moderator

Dies ist meines Wissens vom israelischen

 

 

Ober-Rabbinat wieder besttigt worden.

34:45

Dr. Joel Berger

Richtig.

 

-27-

 

34:48

Moderator

Es gibt andere Rabbiner, auch in Israel, die

 

 

andere Positionen vertreten.

34:51

Dr. Joel Berger

Richtig. Die Juden haben immer viele

 

 

Positionen; fast wie der Islam. Deshalb

 

 

beneiden wir die katholische Kirche: Una

 

 

et eadem libertas".

35:03

Dr. Hans-Jochen

Ein Katholik darf alles.

 

Jaschke

 

35:06

Dr. Joel Berger

Nicht immer.

35:08

Dr. Hans-Jochen

Fast.

 

Jaschke

 

35:10

Moderator

Ich sehe da nur zumindest fr einen

 

 

erheblichen Teil religiser Juden

 

 

Schwierigkeiten, auch in der Theorie mit

 

 

der Vorstellung im Felsendom zu beten,

 

 

denn der Felsendom ist der wichtigste

 

 

Kandidat fr die Stelle, wo mal tatschlich

 

 

das Allerheiligste des salomonischen

 

 

Tempels gestanden hat.

35:28

 

Aber der Tempel selbst, wenn er denn nun

 

 

eines Tages - in messianischen Tagen -

 

 

wieder vorhanden sein wird: wie wird er

 

 

aussehen? Genau so wie zur Zeit Salomos

 

 

oder sogar zur Zeit des Herodes? Oder

 

 

ganz anders?

 

-28-

 

35:44

Dr. Joel Berger

Also, dazu msste ich selber Prophet sein. Ich bin aus dem Volk der Propheten, aber selber nie ein Prophet. Daher wrde ich Ihnen sagen: Auf diese Fragen knnen wir heute noch nicht die passende Antwort geben.

35:59

 

Aber wir knnen gemeinsam die Hoffnung haben, dass wenn die Zeit kommt mit dem prophetischen Vers (zitiert auf hebrisch), weil mein Haus das Haus des Gebetes fr alle Vlker ist, fr Muslime, fr katholische Christen. Wir nehmen sie dazu mit.

36:20

Dr. Hans-Jochen Jaschke

Okay.

36:21

Dr. Joel Berger

Eben.

36:23

Dr. Hans-Jochen Jaschke

Ihr seid grozgig.

36:24

Moderator

Wir wissen nicht, wie der Tempel aussehen soll, der unter Umstnden oben auf der Plattform schon bald realisiert werden sollte. Wir tun uns schwer mit der Architektur.

36:37

 

Wer sollte ihn bauen? Wer wird Architekt? Wer bestimmt sein Aussehen? Wer bestimmt, was sich drin abspielen wird?

36:46

 

Das ist ein Punkt, wo wir die Frage an Herrn Hutter weitergeben knnten: Wie gehen wir mit den noch offenen, aber doch wichtigen Fragen in Ihrer Vision um? Nun, was kann man da machen?

36:58

Gottfried Hutter

Und ich denke, dass einfach ein Wettbewerb stattfinden wird unter Architekten einerseits. Andererseits aber nicht nur unter Architekten, sondern berhaupt unter allen, die dazu was beitragen knnen.

-29-

 

37:14

Gottfried Hutter

Deshalb meine ich, dass dieser neue

 

 

Tempel, beziehungsweise dieses gesamte

 

 

Heiligtum, das dabei rauskommen wird,

 

 

wirklich alle reprsentieren muss, und dass

 

 

deswegen auch alle gefragt werden

 

 

mssen.

37:29

Dr. Hans-Jochen

Sollen die Christen optisch-visuell in

 

Jaschke

Erscheinung treten? Sie sagen, die

 

 

Christen sind die Achse. Wie stellen Sie

 

 

sich das vor?

37:37

Gottfried Hutter

Ich meine, in dieser Symbolik hier wrden

 

 

die Christen tatschlich mehr als ein

 

 

geistiges Element erscheinen; als ein

 

 

architektonisches Element. Architektonisch

 

 

angedeutet allerdings durch die Spiegelung

 

 

des Felsendoms oben, wodurch diese

 

 

Achse entsteht. Diese Achse wrde ja dann

 

 

nicht nur die Himmelfahrt des Propheten

 

 

Mohammed symbolisieren, sondern

 

 

natrlich auch die Auferstehung Jesu, und

 

 

das Kreuz.

 

 

Ich glaube, insofern wren die Christen auf

38:09

 

alle Flle da mit drin, aber eben mehr als

 

 

ein geistiges Element, als als

 

 

architektonisches Element.

38:20

Dr. Hans-Jochen

Ein Problem ist das hier.

 

Jaschke

 

38:22

Gottfried Hutter

Nicht unbedingt.

38:23

Dr. Hans-Jochen

Fr mich schon.

 

Jaschke

 

38:24

Gottfried Hutter

Ach, fr Sie schon?

38:25

Dr. Hans-Jochen

Wenn wir von einem neuem Tempel reden:

 

Jaschke

Gut, Sie haben irgendwie Recht. Christen

 

 

haben ja zum Tempel, auch zum neuen

 

 

Tempel kein direktes Verhltnis, sondern

 

 

der Tempel ist eigentlich berall.

 

-30-

 

38:36

Gottfried Hutter

Genau.

38:37

Dr. Hans-Jochen Jaschke

Sie reden jetzt aber von einem sichtbaren Bauwerk, das Menschen auch wahrnehmen. Das ist nicht berall, sondern an einem Ort. Darum frage ich so nach.

38:48

Gottfried Hutter

Aber Sie kennen vielleicht auch Lau Tose, diese Aussage von Lao Tse: Das Rad ist sichtbar, aber das wirksame Element ist nmlich genau dort, wo nichts ist, nmlich in der Mitte, wo die Nabe ist und wo das Rad auf die Achse gesteckt wird. Genau in dem Teil ist die Funktion des Rades drin.

39:13

 

Insofern denke ich, dass eine geistige Achse durchaus etwas respektables ist und dass sich die Christen da nicht zurckgesetzt fhlen mssen.

39:28

Dr. Hans-Jochen Jaschke

(Das) entspricht aber nicht dem Selbstverstndnis der Christen, das ist klar.

39:28

Gottfried Hutter

Ja, das kann sein.

 

-31

 

39:29

Moderator

Machen wir mal einen gewagte

 

 

gedanklichen Sprung und stellen uns vor,

 

 

das Projekt wre realisiert, so, wie Herr

 

 

Hutter es vorschlgt. Es gbe diese

 

 

Plattform, man htte irgendeine Lsung

 

 

gefunden, einen jdischen Tempel darauf

 

 

zu errichten. Man wrde sich die gedachte

 

 

christliche Achse dazu gut vorstellen

 

 

knnen.

39:52

 

Gbe es nicht auf mindestens jdischer

 

 

und muslimischer, vielleicht auch auf

 

 

christlicher Seite auch Gruppierungen, die

 

 

damit auf keinen Fall einverstanden wren?

 

 

Wre nicht zu befrchten, dass aus dieser

 

 

sehr gut gemeinten Vision ... dass diese

 

 

Vision nicht auch wieder Auslser fr eine

 

 

Art Anschlag wre; fr ein frchterliches

 

 

Unglck, fr neues Blutvergieen?

40:26

 

Wre es mglich, dass - ich mag nicht

 

 

sagen muslimische Terroristen, aber

 

 

Terroristen, die sich selbst fr Muslims

 

 

halten, diese Plattform mit dem Tempel

 

 

zum Einsturz bringen wrden? Wre das

 

 

vorstellbar.

40:43

Sheikh Hassan

Das wre vorstellbar. Nicht nur

 

Peter Dyck

muslimische, sondern auch jdische, oder

 

 

christliche...

40:50

Moderator

Die Frage wollte ich als nchstes stellen.

 

 

Wre es mglich, dass ...

 

-32-

 

40:52

Sheikh Hassan

Es gibt grundstzlich in Religionen

 

Peter Dyck

Fanatiker. Das sind die, die an den engen

 

 

Strukturen festhalten und Angst haben,

 

 

loszulassen. Das ist ja gerade das

 

 

Problem. Man knnte ja ... Natrlich ist es

 

 

ja auch, wenn man sich das weiter vorstellt:

41:07

 

Wie soll dort gebetet werden? Wie soll das

 

 

gemacht werden? Man kann auch sagen,

 

 

das ist einfach ein Ort der Stille, zum

 

 

Beispiel. (Da) knnte man sich einigen in

 

 

dieser Richtung, dass man sagt, man

 

 

meditiert dort. Dass alle Leute, egal von

 

 

welcher Couleur oder von welcher Religion,

 

 

auch ... Fr Touristen ist es zum Beispiel

 

 

offen. Die drfen auch da reingehen - oder

 

 

nicht? - in den Tempelberg.

 

 

Ja, das heit, es ist offen. Da kann man

41:32

 

dann hingehen und kann sich da still

 

 

hinsetzen. Man wird ja da drin nicht Fuball

 

 

spielen, sondern man wird da andchtig

 

 

sitzen. Und wenn man dann beten mchte,

 

 

dann kann man da beten.

41:45

Moderator

Aber offiziell ist das, wenn es kein

 

 

islamisches Gebet ist, verboten..

41:46

Sheikh Hassan

Das ist schwierig. Da msste man dann

 

Peter Dyck

alles organisieren: Von neun bis zehn, und

 

 

dann von zehn bis elf.

41:54

Moderator

Sie sagten gerade, das eigentliche Problem

 

 

ist, dass gewisse Leute nicht loslassen

 

 

knnen, dass sie Angst davor haben,

 

 

loszulassen.

42:03

Sheikh Hassan

Ja, ich stelle es mir sehr schwierig vor.

 

Peter Dyck

 

42:04

Moderator

Ich glaube, das ist tatschlich der

 

 

entscheidende Punkt

 

-33-

 

42:05

Sheikh Hassan

Also bei der angespannten Situation, die

 

Peter Dyck

jetzt da ist, stelle ich mir sehr schwierig vor,

 

 

dass dadurch Frieden kommt. Ich kann mir

 

 

sehr gut vorstellen, dass das boykottiert

 

 

wird, so eine Sache. Wenn man anfngt,

 

 

das konkret umzusetzen, das wird nicht

 

 

leicht, also zum heutigen Stand.

42:24

Moderator

Aber sicher nicht nur aus muslimischer

 

 

Perspektive ist das das Hauptproblem,

 

 

sondern die Angst davor, loszulassen von

 

 

dem, was einem wahr erscheint, wichtig,

 

 

woran man sich festhlt. Davon loszulassen

 

 

ist sicherlich ein grundstzliches Problem,

 

 

das nicht nur Muslime, und auch Muslime

 

 

nicht in besonderer Weise haben, sondern

 

 

wir wahrscheinlich alle.

42:45

Sheikh Hassan

Alle haben das. Alle, und das ist der

 

Peter Dyck

Mangel an Spiritualitt. Der Islam hatte bis

 

 

1920 war es Sitte und Brauch und

 

 

Tradition, einen geistigen Wegfhrer zu

 

 

haben.

42:59

 

Nicht die Kalifen. Der Kalif wurde beraten

 

 

von einem geistigen Wegfhrer. Entweder

 

 

war er selber ein geistiger Wegfhrer, das

 

 

gab es auch im osmanischen Reich, oder

 

 

er hat sich beraten lassen von einem -

 

 

sprich Heiligen, wrden wir sagen, von

 

 

einem Gereinigten, von einem - wie soll

 

 

man sagen? Aulia heit das auf arabisch.

 

 

Ein Gott nahe stehender, ein Gottesfreund.

43:23

Moderator

So etwas hnliches meinen wir auch zu

 

 

kennen?

43:26

Sheikh Hassan

Klar. Natrlich.

 

Peter Dyck

 

43:27

Dr. Joel Berger

Also, die Juden auf jeden Fall. Der Aulia

 

 

heit bei uns (?llui?): ein von Gott

 

 

Erleuchteter.

 

-34-

 

43:35

Dr. Hans-Jochen

Soll man nicht Schritte gehen? Dass man

 

Jaschke

sagt: Der Tempelberg wird jetzt geffnet, er

 

 

ist zugnglich. Die groen Religionen

 

 

nehmen ihn gewissermaen auch in

 

 

Beschlag, indem sie beten. Das kann in der

 

 

Moschee sein, im Felsendom. Es kann ja

 

 

auch daneben sein.

43:52

Moderator

Bis jetzt ist im Bereich des Tempelbergs

 

 

nur islamisches Gebet erlaubt. Und es so

 

 

machen, dass es keiner merkt...

43:56

Dr. Hans-Jochen

Ja, ja. Aber ich rede jetzt...

 

Jaschke

Ich rede von Schritten. Am Ende kann da

 

 

vielleicht auch ein Bauwerk - wie auch

 

 

immer - stehen. Aber wir mssen

 

 

Vertrauen gewinnen, mssen uns

 

 

gegenseitig respektieren, Fanatismus

 

 

abbauen, den verrckten Menschen keine

 

 

Chance geben.

 

 

Warum soll es denn nicht mglich sein,

44:16

 

dass ein Gebet auf dem Tempelberg

 

 

gestattet wird?

44:17

Moderator

Was aber machen wir mit denen, die nicht

 

 

mitarbeiten wollen? Es besteht zur Zeit

 

 

zunehmend auch in den Medien offenbar -

 

 

sagt Ha'aretz eine zunehmend konkrete

 

 

Gefahr, dass jdische Extremisten,

 

 

Terroristen in dem Fall, wenn sie es

 

 

verwirklichen, einen Anschlag auf die

 

 

Moscheen auf dem Tempelberg planen im

 

 

Zusammenhang mglicherweise mit den

 

 

Abzugsplnen aus Gaza, um wieder einen

 

 

Zndfunken platzieren zu knnen.

 

-35-

 

44:43

Dr. Joel Berger

Lieber Dr. Wimmer, Sie lesen zu viel

 

 

Ha'aretz. Lesen Sie Jerusalem Post" und

 

 

andere Zeitungen. Israel ist ein

 

 

pluralistisches Land. Es gibt mehrere

 

 

Zeitungen und auch politische Richtungen.

 

 

Wenn sogar der Korrespondent der FAZ,

 

 

von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung,

 

 

Jrg Brehme, der schon nicht zu den

 

 

Erhellten gehrt - gelinde gesagt -

 

 

behauptet, dass die Siedler abziehen

 

 

wollen aus Gaza, wre dies schon der erste

 

 

Schritt Richtung Wunder.

45:21

Moderator

Wrde es nicht reichen, wenn fnf oder

 

 

zehn von diesen Siedlern andere Plne

 

 

haben?

45:26

Dr. Joel Berger

Ich glaube schon, dass die anderen Plne

 

 

sich nicht verwirklichen werden. Sie

 

 

mssen vielleicht dahingehend denken,

 

 

dass diese Siedlungen bereits drei

 

 

Generationen (existieren). Sie haben dort

 

 

schon ihre eigenen Friedhfe schon von

 

 

zwei Generationen, und alles, was sie mit

 

 

ihrer eigenen Hnde Arbeit aufgebaut

 

 

haben in einer Zeit, als die Palstinenser

 

 

leider noch keinen Palstinenserstaat

 

 

wollten. So sind sie dahin gekommen.

 

 

Da meine ich schon, dass - das habe ich

45:58